CAMPING

Wie alles begann:

Eigentlich gab es noch keine Verbindung zum Campen.  Niemand aus der Familie campte, auch aus dem kleinen und größeren Bekanntenkreis campte keiner. Na klar, als Jugendliche haben ich mal irgendwo in einem kleinen Zelt übernachtet, aber das war es auch schon. 
Hier und Da triffst Du mal Jemanden  - einen Camper, einen Urcamper, der dir die schönsten Geschichten vom Campingurlaub erzählt. Er schwärmt dir vor, von der  Freiheit, der Ungebundenheit beim Reisen mit Zelt, Wohnmobil oder Wohnwagen, von tollen Campingplätzen mit Stellplätzen mit Blick aufs Meer, Berge, Landschaft, von der Natur, und dem unbeschreiblichen Freiheitsgefühl, der sogenannten Zwanglosigkeit im Urlaub, und, und, und…………! 
Von dem viel beschriebenen „Camper Virus“ von dem man befallen werden kann, hatten man zwar schon gehört, aber drunter konnten man sich  gar nichts vorstellen. Angeblich soll man vom Campen nicht mehr loskommen wenn man erst einmal "Blut" geleckt hat.
Träume?  Campingträume?gab es noch

Campingträume

Entweder / Oder:

Entweder:

Du schüttelst gleich den Kopf und hörst nach der Hälfte des "Vortrages" schon gar nicht mehr zu. Vor deinem  geistigen Auge siehst Du den trainingsanzuggestylten Camper mit der Toilettenpapierrolle unterm Arm zur Örtlichkeit wandern, den, in der prallen Sonne schwitzenden Zeltaufbauer, die zwischen den Wagen herumtollenden Kinder und die herumflitzen, bellenden Hunde - von Erholung keine Spur.
Denn, du bist überzeugt von Komfort und Bedienung, freust dich auf deinen Hotelurlaub mit All Inklusive. Du hast keine Hausarbeit, musst nicht kochen und sonstige häusliche Verpflichtungen fallen auch nicht an.
Dann glauben wir, Camping ist nichts für dich, oder..., vielleicht bist Du nur nicht richtig informiert?

Oder: 

Du hörst interessiert zu, fragst hier und da nach. In dem  Augenblick wo Du  dich mit dem Thema beschäftigst und darüber nachdenkst, ob das Campen vielleicht für dich eine mögliche Alternative zur bisherigen Urlaubsform darstellen könnte, bist Du vielleicht schon einen kleinen Schritt in Richtung Camper werden gegangen. 
So muss es nicht sein..., kann es aber!
Hier nun unsere Geschichte:
Camping statt Pauschalurlaub?!

Unsere Fragen und Zweifel:

Wir haben interessiert zugehört!
Nach der ersten Begeisterung tauchten natürlich Fragen und auch Zweifel auf:       

  • Wie bekommt man das den mit der ganzen Familie überhaupt hin – geht das problemlos mit 2 kleinen Kindern  (1 und 3 Jahre)?
  •  Wie teuer ist Campingurlaub, können wir uns das leisten? Schließlich hatten wir noch keinen Wohnwagen und  unser Auto war außerdem mit 60 PS ziemlich schwach auf der Brust,  zudem fehlte uns auch noch eine  Anhängerkupplung. Es bliebe ja noch die Möglichkeit mit Zelt...?
  •  Was bedeutet Campingurlaub für uns?

        -Alles selber machen, genau wie Zuhause
        -keine Bedienung, 
       - keine Rundumversorgung,
        -kein Buffet      
        -Zeitaufwendige lange Anreise  mit dem Gespann

  • Kein eigenes Klo, die sanitären Anlagen benutzen auch noch hundert Andere,  vielleicht muss man da auch anstehen bevor man zu seinem „Recht“ kommt.

Kommt da überhaupt Urlaubsgefühl auf?

Die Liste ließe sich endlos fortführen, es waren ja "nur" die ersten „Fragen und Zweifel“, aber all das beschäftigte uns.

Unsere Neugier siegte, die letzten Bedenken räumten wir einfach zur Seite und waren nun fest entschlossen das Campen für uns Vier auszuprobieren.
Wenn man nichts Eigenes hat, borgt man sich was oder mietet es sich.

Da bieten einige Campingplätze Wohnwagen zum Mieten an, und  in der Nebensaison zu einem günstigen Kurs. Wir brauchten also keinen eigenen Wohnwagen, keine teure Campingausrüstung kaufen und konnten trotzdem das Leben auf dem Campingplatz für eine Woche ausprobieren.                    

Los gehts:

Unsere Kinder, zu dem Zeitpunkt 3 und 1 Jahr alt, waren genauso gespannt wie wir. 

Eine Woche in der Nebensaison zum Pauschal-Kennlernpreis auf dem „Knaus-Azur-Campingplatz“ in Walkenried gebucht. Finanziell überschaubar und der Harz ist von Berlin auch nur einen Katzensprung entfernt. 
Der kleine Opel Kadett vollgepackt bis unters Dach - Urlaubs-Krempel für vier Personen eben. Mit der Fahrzeit hatten wir uns dann doch etwas verschätz, so kamen wir erst gegen Abend an - es war schon dunkel.  Nach einer kurzen Einweisung durch den Platzwart konnten wir unser Feriendomizil beziehen und der Urlaub konnte beginnen.

Toller Wohnwagen (Knaus), prima eingerichtet, mit Vorzelt und bis auf Bettwäsche, alles was der Camper braucht war vorhanden.

Nur eins war nicht ausreichend vorhanden: GAS!!! , aber das merkten wir erst später.
Wir brauchten Gas zum Heizen! Ich hatte es schon erwähnt,  es war Nebensaison. Nebensaison im Harz bedeutet schon mal keine sommerlichen Temperaturen sondern dicke Jacken und Pullover!

Also, die 5 Kilo Flasche ging natürlich in der ersten Nacht zur Neige.  Am nächsten Morgen neues Gas gebunkert und dem Campingplatzbetreiber unseren Unmut über die mäßige Gasmenge und der defekten Umluft Anlage entgegengebracht. 
Gebucht ist aber gebucht und die Woche ist noch nicht rum. Die restlichen Tage verliefen relativ erholsam zumal auf dem Platz ein Hallenschwimmbad genutzt werden konnte.
Die Kinder fühlten sich auch im Wohnwagen wohl. Sie hatten in der zum großen Bett umgebauten Sitzecke ihr eigenes Schlafabteil welches sich per Holzschiebetür abtrennen ließ. Ihr eigenes Reich auch tagsüber wenn es draußen mal nicht so schön ist.

Resümee nach einer Woche im Mietcaravan:

Es hat alles super geklappt, die Kinder waren begeistert, wir waren zufrieden. Die anfallende Hausarbeit wurde geteilt und schnell erledigt und das mit „aufs fremde Örtchen gehen“ war überhaupt kein Problem. Rundherum eine tolle Erfahrung - Urlaub im Wohnwagen.

Waren wir jetzt schon mit dem Camper-Virus infiziert?


Wohnwagen Knaus Azur zur Miete in Walkenried -Harz

Kinderabteil!

Camper-Virus?

Wir waren uns sicher, um das herauszufinden gab es nur eine Möglichkeit: Wir entschlossen uns für einen weiteren Wohnwagenurlaub, wieder Mietcamping!  Diesmal aber 3 Wochen und natürlich im Sommer.
Unsere Wahl fiel auf auf den Campingplatz Knaus-Azur in Kipfenberg, direkt an der Altmühl.

Eines vorweg: es waren wundervolle 3 Wochen Urlaub auf dem Campingplatz, wir fühlten uns schon fast wie richtige Camper.
Der Campingfreak, der Urcamper hatte recht, zumindest mit dem meisten seiner Ausführungen. Das größte für uns war die Freiheit und die erworbene Selbständigkeit unserer Kinder auf dem Campingplatz. Die Kinder waren Dank "Kirche unterwegs" - so eine Art Kinderannimation - beschäftigt und glücklich, schnell wurden Freundschaften geschlossen und sich für den nächsten Tag zum gemeinsamen Spielen verabredet.  Wir hatten URLAUB!

Voller Begeisterung  buchten wir für das darauffolgende Jahr 3 Wochen Campingurlaub im Mietcaravan auf dem gleichen Platz.

Waren wir jetzt mit dem Camper-Virus infiziert?

Der Wunsch nach etwas Eigenem

Natürlich waren wir von der Art und Weise des Urlaubens auf einem Campingplatz begeistert.  Der Wunsch nach einem eigenen Wohnwagen oder sogar einem Wohnmobil wuchs. So eine Anschaffung ist natürlich sehr teuer und musste wohl überlegt werden.  Eine kostengünstigere Alternative wäre natürlich ein großen Familienzelt aber nun waren wir ja doch schon vom Leben im Wohnwagen "verwöhnt". 
Wie Mietcamping funktioniert wussten wir ja nun. In weiteren Urlauben nutzen wir zunächst Apartments und Ferienwohnungen. 

Also erstmal ordentlich sparen! 




Und dann war es soweit: Die Mauer fiel! Damit hatten wir nun weniger zu tun, aber die Möglichkeit des Reisens nach allen Seiten und die Aussicht ohne die leidige Prozedur an der Grenze und das quälende Überwinden der Transitstrecken - wir Berliner wissen worüber wir reden - ließ den Wunsch nach einem eigenen Campingfahrzeug immer grösser werden.
Brandenburgs Felder und Wälder, den Spreewald, die Müritz, Usedom und Rügen galt es zu entdecken! Mal eben fürs Wochenende, einen Kurzurlaub, schließlich brauchte man ja keine Ewigkeit mehr um ins "Grüne" zu fahren.
 Wir waren fest entschlossen uns ein eigene Campinggefährt anzuschaffen ...,es begann das große Rechnen!
Ersparnisse + Einsparen von Pauschalurlaubskosten+ Verkauf des Autos+ Lohnsteuerjahresausgleich x auf 10Jahre gerechnet =
Passt!...irgendwie.

Was soll es denn nun werden, was erlaubt uns denn nun unsere große Finanzplanung?

Unser eigenes Campingfahrzeug.

Nach vielen Überlegungen und Abwägungen entschieden wir uns für die Anschaffung eines Wohnmobils - na besser gesagt eines Reisemobils. Das Fahrzeug sollte neben unseren zukünftigen Urlaubsdomizilen auch die Anforderung eines alltagstauglichen Fahrzeuges erfüllen. Ein Wohnwagen fiel nicht nur aufgrund der fehlenden Unterstellmöglichkeit weg sondern bräuchte er auch ein geeignetes Zugfahrzeug, und zwei Sachen neu anzuschaffen passt uns nun gar nicht.
Wir hatten uns monatelang informiert, Prospekte gewälzt, Messen besucht-meist Regionalmessen im näheren Umkreis, Erfahrungen von anderen Campern eingeholt und viele sehr schöne Campergespräche geführt.
Und dann wussten wir: Ein Camperbus sollte es werden, für 4 Personen, mit festem Hochdach.

Offensichtlich hatten gefühlte 100000 Andere die gleich Idee, denn anders war es nicht zu erklären, dass es kein gebrauchtes (bezahlbares) Fahrzeug nach unseren Wünschen gab. Neuwagenbestellung wäre natürlich kein Problem aber unsere Finanzplanung sprach nun mal eine andere Sprache.
Aktuell war der T4 von VW auf den Markt gekommen, da muss es doch günstige T3, den Vorgänger, geben, so unsere Idee dazu. Weit gefehlt. Der T4 wurde von den Bulli-Liebhabern zerrissen (damals zumindest) und keiner mochte sich von seinem T2 oder T3 trennen - zu unserem Leidwesen.
Einige wenige gebrauchte Ford Nugget`s waren auf dem Markt aber entweder mit sehr hohen Kilometern auf der Uhr oder zu utopischen Preisen oder Beides.
In Berlin gab es zu der Zeit nicht sehr viele Wohnmobil-und Wohnwagenhändler, und Reisemobilausbauer die individuell Fahrzeuge ausbauen, musste man suchen.
Aber Ausdauer und Warten lohnt sich!
Ein "kleiner" Reisemobilausbauer aus Charlottenburg/ Hinterhof spezialisiert auf Carthago-Ausbau, signalisierte, dass er seinen "letzten" T3 loswerden wollte und alles was sein Lager mit T3 Carthago-Teilen hergibt in das Fahrzeug verbauen würde.
Festes Schlafhochdach, Schlafklappbank, Küchenzeile (ohne Spüle, ohne Kühlschrank), Innenverkleidung und drehbare Pilotensitze.
Keine Gasanlage, keine Stromversorgung, keine Heizung und..............,
1,7 l Diesel mit 54 PS!!!!!!! In meiner Vorstellung sollten es eigentlich nicht weniger als 70 PS sein.

Kurzum, unser Traumbulli wurde gekauft, alles was er nicht hatte wurde in emsiger Eigenleistung nachgerüstet und gemütlich hergerichtet.
Auf einen Kühlschrank haben wir bewusst verzichtet. Dazu aber später mehr.
Nun kann`s (fast) losgehen.

Unsere Bulli im Einsatz.

Es war zum Anfang schon etwas gewöhnungsbedürftig mit einem Diesel, unser erster,  den täglichen Weg zur Arbeit zurückzulegen. An das Vorglühen hat man sich dann schnell gewöhnt und die erhöhte Sitzposition hatte schon so etwas  wie LKW-Feeling.  SUV`s gab es nicht, die hießen Geländewagen und davon gab es nicht sehr viele. Das Fahren auf der Autobahn war entspannt. Hat man sich erstmal an die vorhandenen bescheidenen Leistungsressourcen gewöhnt, war es ein angenehmes Dahingleiten zwischen LKW`s und schwächeren Fahrzeugen.
Aber im Urlaub musste sich der T3 erst noch beweisen - wir hatten ja Ziele -10 Jahres Ziele. 
Wir fingen also mit Wochenendtouren an, nicht zu weit weg schließlich wollten wir in unserem Bus wohnen/urlauben und alles ausprobieren.
4 Personen, also ZWEIZWEIHALBE in einem VW Bus? 
Das geht, und zwar super auch bei schlechtem Wetter. Voraussetzung ist: " Ordnung und äußerste Disziplin" so der Originalton der Campingbuschefin. Schnell war die Arbeitsteilung gefunden:  Für Innen war die Chefin zuständig: Unser Wohn-Schlaf-Esszimmer wohntauglich herrichten und für Außen der Chef: Strom-Gas-Wasser ranholen. Die Kinder überprüften in der Zwischenzeit jeweils die Spielplatztauglichkeit und den Weg zu den Sanitäreinrichtungen auf dem Campingplatz.
Nun waren wir fit!  Es folgten u.a. Reisen nach Dänemark und Schweden. Eine vierwöchige Rundreise durch Südschweden war mit das schönste Reiseerlebnis mit unserem Campingbus.
Einen Kosenamen für unseren Bulli hatten wir nie vergeben - warum eigentlich nicht?  Er hieß einfach nur BUS oder CAMPER und das war auch okay.

Gutes und weniger Gutes.

Natürlich gab es erstmal Nichts auszusetzen an der Art des Reisens und Campens. Unser Plan ging auf, auch finanziell. So konnten wir uns in den Jahren einen großen Urlaub-also drei Wochen-und viele kleine Wochenendtripps leisten. Wir lernten Vieles um Berlin und weiterer Umgebung kennen, trafen Gleichgesinnte auf Campingplätzen und ernteten immer ein nachdenkliches Lächeln wenn wir zu viert aus dem Bus stiegen. 
Die Kinder fanden schnell andere Kinder, meist im gleichen Alter, und so wurden sehr schnell Freundschaften geschlossen. Die Freundschaften waren in der Regel nur von kurzer Dauer. Entweder war das Wochenende schnell vorbei oder unsere Reiseroute sah vor, nach max. 3 Tagen weiterzufahren. 
Es kam allerdings auch vor, dass unsere Kinder keine anderen trafen und das war langweilig und einfach doof,  "und immer das Weiterfahren". Ein langsamer aber erster Protest. Ein -zwei Regentage lassen sich schon mal überbrücken aber dann wird es nicht nur ungemütlich im Bus sonder auch eng. Die nassen Klamotten müssen ja irgendwo hin und Hängemöglichkeiten für Kleidungstücke zum Trocknen gibt es nur eingeschränkt bis gar nicht.
 
Ein Vorzelt muss her. Eins was stehen bleiben kann wenn man mit dem Bus wegfahren möchte. Da kann Stuhl und Tisch stehen bleiben und auch so mansch anderer Kram den man sonst ins Fahrzeug räumen muss.
Ein Blick in die "Zweite Hand"- es gab noch kein Ebay-telefoniert, bar bezahlt beim Abholen, aufgebaut und alles war wieder im Lot - vorerst.
Der Wohnraum vergrößerte sich, wir blieben jetzt länger an einem Standort und Regentage waren besser zu überstehen.

Vom Camper zum Dauercamper.

Ein Schulfreund unseres Sohnes, erzählte, er und seine Eltern seihen auch Camper, sie haben einen Wohnwagen. Schnell entstand der Kontakt zu den Eltern,  und das Thema Camping wurde ausgiebig bearbeitet. Erfahrungen, Erlebnisse und Tipps für den nächsten Campingplatzbesuch ausgetauscht. 
Allerdings gehörten die Schulfreund-Eltern nicht dem fahrenden Campervolk an, sondern ihr Wohnwagen stand fest auf einem Platz/Parzelle - sie waren DAUERCAMPER.
 Die Verabredung für ein gemeinsames Treffen auf dem neu eröffneten Campingplatz in Brandenburg in der Nähe von Rheinsberg, stand. 
Der Campingplatz, mitten in einem Kiefernwald, mit neuen modernen Sanitärhäusern, einem Wald-Restaurant und einigen wenigen Spielplatzgeräten. Einige Dauercamper haben es sich in baumfreien Bereichen gemütlich eingerichtet. Eine traumhafte Umgebung mit Seen, Feldern und Wald so weit das Auge reicht. Man hat den Eindruck man wäre in Schweden obwohl nur 60 Minuten vom nördlichen Berlin entfernt. 
Aber Dauercamping? Nee, nichts für uns, wir wollen Reisen und schließlich die "Welt"  kennen lernen. Jedes Wochenende an den gleichen Ort zu fahren kommt für uns nicht in Frage. Na gut, die knapp 130 Km von unserem Zuhause sind in zwei Stunden zwar kein Problem und gut zu schaffen, aber immer das Gleiche?
Natürlich haben wir den Platz, auf ausdrücklichen Wunsch unserer Kinder, mehrfach besucht, immer mal für ein Wochenende. 
Ein Platz für unseren Campingbus auch mal mit Anstellzelt  zu bekommen war ja auch kein Problem, kurzer Anruf beim Campingplatzchef - man kannte sich ja mittlerweile recht gut.

Schnell entstand ein reger Kontakt zu anderen (Dauer) Campern, insbesonderen zu denen, die Kinder im gleichen Alter hatten. Dass unsere Kinder begeistert waren ihre neu gewonnen Freundinnen und Freunde an den Wochenenden wiederzusehen, muss nicht weiter erwähnt werden.

Daraus  entwickelte sich so eine Idee:
Okay, wenn wir von unserem Vorhaben, die (Brandenburger) Welt entdecken zu wollen,  Abstand nehmen, dann könnte man auch einen halben Stellplatz anmieten, so unsere Meinung. Die Kosten blieben geringer und  das Vorzelt könnte stehen bleiben. Außerdem müssen wir doch gar nicht jedes Wochenende auf den Platz fahren, mit dem Bus sind wir doch flexibel und,und,und ...!

So kam es, dass wir einen festen Stellplatz für unseren Bus bekamen, unser Zelt stehen blieb und wir die meisten Wochenenden dann doch auf dem Campingplatz verbrachten. Den Kindern sehr zur Freude.
"Aber als Dauercamper fühlten wir uns immer noch nicht"!
 
Zugegeben, es hatte schon etwas: wir lernten die Umgebung viel intensiver kennen, die Menschen auf dem Platz wurden uns immer vertrauter, es entwickelte sich ein gutes Gefühl, ein "Dauercampinggefühl".

Eines schönen Tages, bekamen wir von einem Campingnachbarn den Tipp, dass  auf dem angrenzenden Ferienhausgelände ein Wohnwagen der Marke Tabbert zu verkaufen ist. "Der Kauf  wäre ein Schnäppchen und der Wagen von solider Bauweise"
"Dann braucht ihr euch doch nicht so Quälen in  eurem engen Bus, schließlich sind die Kinder mittlerweile größer geworden".
Und wieder tagte der Familien-und Finanzausschuss:
Anschauen kostet ja nix!

Der Wagen gefiel uns, trotz eines leichten Unfallschadens, sehr gut. Der Gedanke daran nicht ständig zur Nachhausefahrt alles weg-und umräumen zu müssen, ließ uns das Dauercamping von einer ganz anderen Seite, von einer  angenehmeren  Seite betrachten. 
Nach kurzen Verhandlungen mit dem Verkäufer und dem Campingplatzbetreiber- wir brauchten ja nun mehr Platz - war der Drops gelutscht.
Wir wurden jetzt DAUERCAMPER.




Dauercamping:

Nach kurzen, unkomplizierten Verhandlungen mit dem Campingplatzbetreiber, wurde unser bisheriges "Grundstück" verdoppelt - natürlich verdoppelte sich auch die Jahrespacht - es muss ja schließlich alles seine Ordnung haben.

In den nachfolgenden Monaten richteten wir unser kleines "Wochenendgrundstück" ein: Hier ein bisschen Grün dort ein Busch, etwas Rasen. 
Ein Vorzelt wurde angeschafft (natürlich gebraucht),  in das ein Tisch, Stühle, Kühlschrank, Vorzeltboden und vieles mehr, eben alles was ein Dauercamper so braucht, reingestellt werden kann.
Unserem Bulli blieben wir aber (noch) treu, es galt ja schließlich unsere 10 Jahresplanung im Auge zu behalten.
In unserem neuen Domizil genossen wir an den Wochenenden die Natur, trafen uns mit den Campingnachbarn, plauschten, grillten, fuhren gemeinsam Fahrrad und hatten immer das Gefühl ein wenig Kurzurlaub zu genießen.

Vom Reisemobilisten zum Wohnwagenfahrer:

Es kam wie es kommen musste: Unsere Kinder wurden größer und unsere (Reise)-Bedürfnisse an Platz und Wohnraum verlagerten sich  - der Bulli wurde für 4 Personen zu klein. Dazu kam, dass wir nun doch sehr oft zum Campingplatz unterwegs waren. Wie schon anfänglich beschrieben, war unser Bus nicht der Schnellste-zum Reisen völlig ausreichend. Um aber mal schnell von A nach B zu kommen braucht es viel  Geduld und noch mehr Zeit.

Schweren Herzens verkauften wir unseren treuen Reisebegleiter an einen jungen Surfer aus der Nähe von Greifswald. 
Ein Auge weinte das andere lachte.

Natürlich hatten wir schon den nächsten Plan im Kopf. 
1. Stufe: Zunächst brauchten wir ein neues Auto. Das war schnell gefunden: Ein Mazda 626 Bj. 1992, Limousine Stufenheck 2,0 l, 115 PS. Unser erster "Japaner".
2. Stufe: Einen Wohnwagen hatten wir schon, aber er war nicht mehr zugelassen. Auf Grund der langen abgemeldeten Stehzeit,  brauchten wir daher nun ein Vollgutachten.
Mit neuen Reifen, einer gebrauchten Schlingerkupplung, ein rotes Kennzeichen, Wohnwagenspiegel für den Mazda besorgt und ab zum KVA Berlin.  Unsere erste Fahrt mit "Gespann".
Das KVA und der TÜV waren gnädig, unser Tabbert wurde für den Verkehr zugelassen. Das nächste (Camping)-Abenteuer konnte also beginnen.

Das Wohnwagen-Gespann fahren:

Zum Anfang hatten ich natürlich ordentlich Respekt vorm Gespannfahren. Ich hatten keinerlei Erfahrungen mit dem Ziehen eines Hängers. 
Nach der Anmeldeprozedur des Tabberts in Berlin war aber die erste Hürde genommen, und die mal gar nicht so schlecht. Fahrzeug und Hänger harmonierten. Aber wie verhält sich ein Gespann bei längerem Fahren auf der Autobahn, wenn der LKW uns überholt oder der Seitenwind das Gespann schaukeln lässt. Wie verhält es sich bei Gegenverkehr auf kleinen Landstraßen-schließlich ist man ja 2,3 m breit.  Ist das Gespann Pass-fahrtauglich ? 
Alle diese Fragen und noch viele weitere beschäftigten uns vor unser ersten großen Urlaubsfahrt.

Unsere erste Wohnwagenreise!

Wo soll es denn hingehen? Am Besten, wir bleiben im flachen Land, ohne Berge und Serpentinen und ganz ruhig und gemächlich eben zum Ausprobieren?.
"Dänemark"! Prima, Dänemark passt, gemütliches Tempo auf Landstrasse und Autobahn,  und Campingplätze an jeder Ecke.
Unsere erste Urlaubstour mit dem Gespann war genau so wie wir es uns vorgestellt haben.  Es war der richtige Schritt in die richtige
Richtung. 

Ich genoss alle Vorteile die uns das Gespannfahren nun brachten: 
Natürlich hatten wir vielmehr Platz, es war kein tägliches Bettenbauen mehr nötig, kein Wegräumen der Dinge die wir täglich benötigten und wir waren mit dem Auto flexibel. Nach jedem Ausflug kamen wir wieder "Nachhause"

Das sind natürlich unsere Empfindungen, so mögen wir Urlaub.  Es folgten weitere Reisen, nach Österreich (Serpentinen), nach Kroatien (Passfahrten),  nach Ungarn und kreuz und quer durch Deutschland.

Andocken!

Nach jeder Reise, fand unserer Wohnwagen seinen angestammten Platz auf unsere Parzelle auf dem Campingplatz. 
Mittels eingezogenen Schleusensteifen stellten wir die Verbindung zum freistehenden Vorzelt her und die Dauercampingatmosphäre war wieder hergestellt. 
Ganz so einfach wie man jetzt vermutet war es natürlich nicht, schließlich musste der Hänger zentimetergenau hingestellt werden,  so dass der Schleusenstreifen seine richtige Position finden konnte. Mit viel Kraft und Schweiß und der Unterstützung der Camping-Nachbarn wurde auch das jedesmal gemeistert.

Der neue Wohnwagen

Mittlerweile waren wir perfekt, na sagen wir lieber erfahren, was das Wohnwagencampen anbelangt aber man lernt ja immer noch dazu.
Unser Tabbert ist in die Jahre gekommen und der Wunsch nach etwas Neuem wurde merklich größer. 
Etwas mehr Komfort in Bezug auf`s Schlafen wünschten wir uns und so hielten wir Ausschau nach einem Wagen mit Einzelbetten. Es war schon abzusehen, dass die Kinder bald nicht mehr mitfuhren, somit war klar, dass es für die Kinder keine separaten Betten braucht sondern nach wie vor die Rundsitzecke zum Schlafen umgebaut werden kann.

Wir wurden fündig bei Hobby. Ein Hobby 540 UL easy. 1500 Kg.  Das durfte der Mazda gerade noch ziehen. Die Comtesse 515 gaben wir in Zahlung und der Deal war perfekt. Unser Neuer war länger und etwas breiter, das zog natürlich einige Umbauarbeiten an der Vorzelt-Schleusenkonstruktion nach sich. An einem verlängerten Wochenende war auch das gemeistert.

Nun waren wir gespannt auf mehr Platz im Wohnwagen und dem neuen Schlafgefühl in Einzelbetten. 
Es folgten viele schöne Reisen mit unserem Wohni und ja, die Entscheidung für Einzelbetten war genau richtig.

Alles hat mal ein Ende!

Unsere Kinder hatten mittlerweile ein Alter erreicht, wo sie lieber alleine, ohne elterliche Begleitung, verreisen wollten und auch durften - uns war es recht.
Auch die Teilnahmen an den Dauercampingwochenenden verringerten sich bei den Kindern und liefen schließlich gegen Null. Kumpels und Kumpelinen waren eben wichtiger als "doof in der Natur rumzusitzen". So, oder so ähnlich ließen sie es verlauten. Wir genossen die Zeit zu Zweit.

Nun waren wir schon knapp 12 Jahre Dauercamper und viele Jahre mehr als Camper unterwegs. Und heimlich schlich sich der Gedanke bei uns ein doch einmal etwas anderes auszuprobieren.  
Wir hatten das Gefühl, dass uns das Dauercamping, Wochenende für Wochenende, irgendwie unsere Zeit beraubte und kein Platz mehr für andere Dinge lässt. Schweren Herzens aber mit einer Neugier auf etwas Neuem, entschieden wir uns das Campen mit allem Drum und Dran aufzugeben.
 
Wir verkauften den Wohnwagen, wir verkauften alles was wir in den Jahren für den Dauercampingplatz angeschafft hatten. 
Unsere Campingnachbarn sind uns über die Jahre zu guten Freunden geworden. Der Kontakt ist nicht abgebrochen. Nach Möglichkeit  treffen wir uns mehrmals im Jahr, verabreden uns zum gemeinsam Essen, feiern runde Geburtstage zusammen oder besuchen uns gegenseitig -  einfach mal so.

Wie geht`s weiter?

Dranbleiben ! Fortsetzung folgt!